ARBEIT MIT KINDERN. 

Comeback Kids verbindet unsere fachliche Expertise und unsere langjährige Erfahrung im Rahmen der Rückführung mit aktueller Forschung und daraus resultierenden Erkenntnissen zu einem innovativen Praxismodellprojekt. Mit der familienintegrierten Wohngruppe für Kinder (gem. § 34 SGB VIII) im Alter von 6-11 Jahren haben wir ein ganzheitliches Angebot (gem. dem § 37 SGB III) entwickelt, um mit Eltern und Kindern gemeinsam eine tragfähige und langfristige Perspektive für die Familie zu entwickeln – dabei ist die Rückführung die erste Option. Comeback Kids baut auf dem Grundverständnis auf, dass für eine gute Entwicklung des Kindes eine klare Perspektive und die Sicherheit über den Lebensmittelpunkt zentral sind. So werden Schwebezustände ab- und Stabilität sowie Sicherheit aufgebaut.

Ein Ziel von Comeback Kids ist erreicht, wenn alle am Hilfeprozess Beteiligten die Hilfe nachvollziehen können, diese als sinnhaft erleben und in Entscheidungen des Hilfesystems einbezogen sind. Die Familien erleben sich also als Subjekte des Prozesses und verstehen, was aus welchem Grund geschieht. Die Perspektivklärung gestaltet sich für die Familien damit als ressourcen- und stärkeorientiert. Zentral für die Arbeit bei Comeback Kids ist neben der Perspektivklärung die individuelle Einschätzung der Erziehungspotenziale und Ressourcen der Eltern sowie die Bedarfe der gesamten Familie, um daraus ableitend eine fachlich fundierte Prognose zu formulieren. Hierbei ist eine systemische Grundhaltung die Basis unserer Arbeit.

Die vollstationäre Unterbringung von Kindern ist in der Regel dann erforderlich, wenn die im elterlichen Haushalt bestehenden Entwicklungs-, Teilhabe- und Erziehungsbedingungen das Kindeswohl nicht ausreichend sichern. Innovativ an Comeback Kids ist, dass der gesetzlichen Grundlage entsprechend, der Anspruch der Eltern auf Beratung und Unterstützung bei Hilfen außerhalb der Familie sowie die Förderung der Beziehung zu ihrem Kind trotz Fremdunterbringung gewahrt wird. Das ganzheitliche Angebot belässt die Eltern so weit in der Verantwortung wie dies für die Entwicklung des Kindes förderlich ist und bietet ein begleitetes Lernfeld für die Sorgeberechtigten und andere Personen, die eine hilfreiche Ressource für die Stabilisierung des Familiensystems sein können. Sie sind in der Einrichtung willkommen und übernehmen im Alltag jede mögliche Verantwortung für ihr Kind. In der Kinderwohngruppe werden sie in der Ausübung der Erziehungsaufgaben gefördert und gefordert.

Die Hilfe beginnt mit einem Familienrat oder einem anderen gemeinschaftsbildenden Verfahren. In diesem Setting wird thematisiert, welche Faktoren zur Unterbringung geführt haben, es werden gemeinsam Ziele und Zeiträume zu deren kleinschrittiger Umsetzung definiert. Zudem erfolgt eine Einschätzung zur Bereitschaft und Fähigkeit der Eltern zur Mitwirkung.

Wir verbinden in unserem Projekt handlungsorientierte, familientherapeutische Interventionen mit einem Gruppenkontext. Eltern und Kinder werden von einem multiprofessionellen Team und anderen Familien dabei unterstützt, ihre eigenen innerfamiliären Interaktions- und Beziehungsmuster zu erkennen. Im Gruppenkontext werden Lösungen für die Anliegen der einzelnen Familien gesucht und erprobt, die Erfahrungen in der Gruppe diskutiert und reflektiert. Die Eltern haben die Möglichkeit, ihr Erziehungsverhalten sowie ihre Alltagsgestaltung auf Augenhöhe zu reflektieren und neu zu gestalten. Die Fachkräfte steuern die Prozesse so, dass sie den Austausch unter den Eltern fördern und den Fokus ressourcenorientiert auf Gelingendes und Veränderung richten. Ein Austausch zu unterschiedlichen Themen ist im Rahmen regelmäßiger Elterntreffen vorgesehen. Im Gruppenalltag finden zudem familientherapeutische und pädagogische Interaktionsbeobachtung und daraus resultierende Reflexionsgespräche mit den Kindern und den Eltern statt.

In familientherapeutischen Gesprächen werden Handlungsalternativen entwickelt und bestehende Muster durchbrochen. Das gemeinsame Erarbeiten von Lösungsstrategien erfolgt unter intensiver Einbeziehung der Eltern und Kinder.

Vor allem die Beteiligung der Kinder ist ein zentrales Element unserer Arbeit, sie sollen sich als Subjekt des Hilfegeschehens erleben. Dies wird u.a. durch eine spezielle Qualifizierung der Fachkräfte hinsichtlich der Gesprächsführung erreicht, um Zugänge zu ihren Wünschen, Bedürfnissen, Anliegen und Ressourcen zu finden und sie sich tatsächlich gehört fühlen. Grundlage hierfür bilden unsere Erkenntnisse aus der Praxisforschung mit der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Während ihrer Unterbringung in der Kinderwohngruppe wird das Recht der Kinder auf Entwicklung, Teilhabe und Erziehung gesichert. Durch den intensiven Kontakt mit den Eltern können im geschützten Rahmen förderliche Beziehungs- und Erziehungsalternativen entwickelt und erprobt werden. Unser Anliegen ist, den Kindern trotz einer notwendigen Trennung von ihren Eltern, ein vorübergehendes „Nest“, Verständnis, Vertrauen und Sicherheit anzubieten.

In Zusammenarbeit mit einer Innenarchitektin wurden die Farbgebung und Ausstattung der Räume darauf ausgerichtet, eine anheimelnde Atmosphäre für Kinder, Eltern und Geschwister zu gestalten, die Ruhe erzeugt und einer Überreizung entgegenwirkt. Bedacht wurde zudem, dass in krisenhaften Situationen für einen Gast die Möglichkeit besteht, im Zimmer des Kindes zu übernachten.

Um die in der Praxis bisher häufig bestehende „Lücke“ zwischen der Unterbringung in einer Wohngruppe und der Rückführung in den familiären Haushalt zu schließen, arbeiten parallel zur Unterbringung des Kindes bereits zwei Sozialpädagog*innen im systemischen Co-Team aufsuchend in der Familie an der Veränderung der Lebensbedingungen in deren Haushalt (§ 37c Abs.2). Die Rückführung wird von den Fachkräften in der Gruppe vorbereitet und im Haushalt kontinuierlich begleitet. Auf diesem Weg wird sichergestellt, dass Kinder nach einer Fremdunterbringung nicht in ein unverändertes Zuhause zurückkehren.

Aus dem Kurzkonzept….

Das Augenmerk richtet sich insbesondere auf die §§ 36 /37 SGB VIII und stärkt die Rechte der Kinder, jungen Menschen und deren Familien. Insbesondere der § 37c beinhaltet konkrete Regelungen und ergänzende Bestimmungen zur stationären Unterbringung § 37c (Abs.2, S1).

Mit dem Praxismodellprojekt streben wir ein ganzheitliches, flexibles Unterstützungsangebot an. Deshalb sind im Tageskostensatz alle dem individ. Hilfebedarf der Familie entsprechenden Leistungen gem. § 27 SGB VIII ff. enthalten. Nicht enthalten sind individuelle Leistungen der Eingliederungshilfe gem. § 35a.

Bestehen bereits Maßnahmen gem. § 35a SGB III werden diese während der Unterbringung aufrechterhalten. Sollte sich im Rahmen der Perspektivklärung ein therapeutischer Bedarf für Maßnahmen gem. § 35a SGB III ergeben, setzen wir nach Möglichkeit Mitarbeiter*innen des Trägers je nach Qualifikation und Bedarf des jeweiligen Kindes ein.